Hans Bernhard Henry Scharoun (geboren 1893 in Bremen, gestorben 1972 in Berlin) war ein bedeutender deutscher Architekt des 20. Jahrhunderts, der vor allem für seine wegweisenden Bauten des „organischen Bauens“ bekannt ist. Nach dem Abitur 1912 begann er ein Architekturstudium an der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg, das er allerdings 1914 ohne Abschluss verließ, um freiwillig im Ersten Weltkrieg zu dienen. Parallel zu seinen Studien sammelte er praktische Erfahrungen in Architekturbüros und bei Bauarbeiten, was seine gestalterische Entwicklung früh förderte. Nach dem Krieg arbeitete Scharoun zunächst als freier Architekt in Ostpreußen und Breslau, wo er erste realisierte Entwürfe schuf und Kunst- und Architekturausstellungen organisierte. 1925 wurde er Professor an der Staatlichen Akademie für Kunst und Kunstgewerbe in Breslau, eine Position, die er bis zur Schließung der Akademie 1932 innehatte und die seinen Einfluss als Lehrer und Theoretiker des modernen Bauens verstärkte. 1926 trat er der Architektengruppe „Der Ring“ bei, einem Zusammenschluss für zeitgenössische Architektur. In der Zeit des Nationalsozialismus konnte Scharoun nur wenige private Wohnhäuser realisieren, blieb aber in Deutschland. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm er 1945/46 das Amt des Stadtbaurats von Groß-Berlin und Leiter der Abteilung Bau- und Wohnungswesen, war maßgeblich an städtebaulichen Konzepten für den Wiederaufbau beteiligt und nahm ab 1947 eine Professur für Städtebau an der Technischen Universität Berlin wahr. Sein internationales Ansehen gründet sich auf einer Folge bedeutender Bauwerke, darunter die Berliner Philharmonie (1963), die Geschwister-Scholl-Gesamtschule in Lünen und Wohnhochhäuser wie „Romeo und Julia“ in Stuttgart, die seine Prinzipien des organischen, nutzerorientierten Entwerfens umsetzen. Er war zudem Präsident der Akademie der Künste in Berlin und wurde mehrfach ausgezeichnet.